Jede Menge freie Flächen

Am Biocampus Cologne geht es voran – Für neue Unternehmen müsste gebaut werden/Von Katja Lenz

Platz ist da. Der Biocampus Cologne bietet 250 000 Quadratmeter Nutzfläche, auf denen sich 200 Unternehmen mit 8000 Mitarbeitern ansiedeln könnten – theoretisch. Die Realität: Auf dem riesigen Areal in Bocklemünd stehen acht Gebäude, 32 Firmen sind hier, mit 1100 Beschäftigten. Dort, wo Büroblocks und Labore geplant werden könnten, wachsen noch Bäume. Die Pappeln im Norden werden immerhin von einem Mieter als Biomasse verwendet. Die Verkehrsanbindung ist günstig, die Auffahrt „Bocklemünd“ ist um die Ecke, das Hauptgebäude mit dem Schriftzug „ BioCampus Cologne“ beim Vorbeifahren von der A1 weithin zu sehen. Mit öffentlichen Verkehrmitteln wird es schwierig. Immerhin gibt es eine Bushaltestelle vorm Haus.

Aber es geht voran mit dem Biocampus in letzter Zeit. „Als wir angefangen haben, hatten wir einen Leerstand von 35 Prozent“, erklärt Andre van Hall, Mitglied der Geschäftsleitung. 2012 hatte die Stadt das Gelände samt Gebäuden für knapp 21 Millionen Euro von der Sparkasse Köln Bonn gekauft, die ihre Beteiligungen neu ordnen musste. Es lief nicht rund, die Stadt glich regelmäßig ein Defizit aus. 2016 war der Leerstand auf 11 Prozent gesunken, die Zahl der Mieter auf 29 gestiegen. Aktuell werden die allerletzten 600 Quadratmeter für ein Start-up hergerichtet, das bereits im Haus ist und sich ausbreiten möchte. Die BioCampus Cologne Grundbesitz GmbH & Co.KG ist Eigentümerin der freien Grundstücke, die Gesellschaft gehört der Stadt. Wenn sich ein Ankermieter findet, soll das nächste Gebäude entstehen. „Wir haben hier Flächen, um langfristig einen Mehrwert für Köln zu schaffen“, ist van Hall überzeugt.

Dazu zählt eine inhaltliche Neuausrichtung: „Nur auf Biotechnologie zu setzen, ist nicht mehr zeitgemäß“, erklärt der Geschäftsleiter. Nicht „monodisziplinär“, sondern „multidisziplinär“ soll es auf dem Areal zugehen. Sogar über einen neuen Namen wird nachgedacht. Start-ups sollen im Biocampus beraten und zusammengebracht werden. Wenn sie Erfolg haben, müssten sie nicht ausziehen, sondern könnten auf dem Gelände erweitern. Medizin, Digitalisierung, Chemie, Engineering lauten die neuen Schwerpunkte. Bei Veranstaltungen können sich die Mieter in dem „Ökosystem für jeden, der wissensbasiert arbeitet“, austauschen. „Der Dornröschenschlaf ist vorbei“, glaubt van Hall.

Die Stadt tut sich schwer mit dem Biocampus. Im September 2018 entschied der Rat, dass sich Wirtschafts- und Finanzausschuss mit Konzepten befassen sollen, um den Biocampus Cologne zu einem „erfolgreichen und überregional wahrnehmbaren Standort für Gründer und Innovationstreiber“ zu machen. Dabei ging es auch um eine mögliche Zusammenlegung des Biocampus mit dem Rechtsrheinischen Technologie- und Gründerzentrum (RTZ), das sich in Humboldt-Gremberg um junge Unternehmen kümmert. Die Beschlussvorlagen sollten in Zusammenarbeit mit der neuen Wirtschaftsförderungs-GmbH bis Ende 2018 erarbeitet werden. Allerdings hat der Rat die Gründung der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH erst im Dezember 2018 auf den Weg gebracht. Der Zeitplan war also von vornherein unsinnig. Jetzt heißt es, die Umsetzung des Ratsbeschlusses erfolge „schrittweise“: Erst fällt die Entscheidung über die Zusammenarbeit von Biocampus und RTZ, dann sollen „Vorschläge für ein zukünftiges Standortkonzept“ vorgelegt werden. Das kann dauern. Geschäftsführerin des Biocampus ist offiziell Andres Blome. Sie hat derzeit eine Fülle von Aufgaben: Die Verkehrsdezernentin ist vertretungsweise auch noch für die Wirtschaft und Liegenschaften zuständig.

Es gibt bereits Unternehmen, die im BioCampus Cologne erfolgreich durchgestartet sind, erzählt Andre van Hall. Eines ist nach eigenen Angaben marktführend in der Krebsdiagnostik, ein anderes erfindet Möglichkeiten, um Plastikverpackungen nachhaltig durch Papier zu ersetzen, ein weiteres entwickelt fruchtige Aromastoffe. Es nutzt dafür die Pappeln auf dem Gelände – weil noch Platz ist. Aber auch hier könnten langfristig neue Gebäude entstehen.

 

Historie

Die Firma Nattermann wurde vor mehr als 100 Jahren gegründet. Die erste Fabrik zur Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln stand in Ehrenfeld. 1965 zog das Unternehmen nach Bocklemünd um, die anliegende Straße wurde nach dem Firmengründer benannt. Auf dem Gelände befinden sich immer noch Anlagen, in denen Nattermann Arzneimittel produziert.

Mitte der 80er Jahre kaufte der französische Pharmakonzern Rhone-Poulenc die Nattermann & Cie. GmbH. Mittlerweile gehört Nattermann zu Sanofi. 2002 übernahm ein Tochterunternehmen der damaligen Stadtsparkasse Köln das Gelände und eröffnete den Biocampus. (kl)